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Wiesenfeste sind Immaterielles Kulturerbe - Woher kommt eigentlich unser Wiesenfest?

13. Juli 2026
Das Kirchenlamitzer Wiesenfest ist heute nicht nur ein Stück Heimat, sondern seit dem 9. Juli auch offiziell immaterielles Kulturerbe – Teil der bayerischen Wiesenfest Tradition, die für ihre besondere Verbindung von Gemeinschaft, Geschichte und gelebtem Brauchtum ausgezeichnet wurde. Ein Fest, das zeigt, wie lebendig Tradition sein kann und wie stark sie die Stadt zusammenhält.

Das Kirchenlamitzer Wiesenfest hat eine lange, aber erstaunlich verschlungene Geschichte.

Wer nach seinen Ursprüngen sucht, findet im großen Fachbuch „Oberfränkisches Brauchtum in alter und neuer Zeit“ gerade einmal „16 Druckzeilen“ – viel zu wenig für ein Fest, das unsere Stadt seit fast zwei Jahrhunderten prägt. Der eigentliche Vorläufer war das Gregoriusfest, ein altes kirchliches Schulfest zu Ehren von Papst Gregor I., dem Schutzpatron der Schulen. Damals, „an Gregori“, dem 12. März, zogen Schüler verkleidet durch die Straßen, sangen Gregoriuslieder, erhielten Brezeln und sammelten Spenden für ihre Lehrer, deren Einkommen „nicht gerade üppig war“.

Auch nach der Reformation blieb dieses Fest rund 200 Jahre bestehen. Doch es verlor an Bedeutung, wurde mancherorts zu ausgelassen gefeiert und schließlich verboten, weil „viele Üppigkeiten und Insolentien vorgingen“ und es „mehr schädlich als nützlich wäre“.

In Kirchenlamitz verschwand es sogar vollständig aus den Aufzeichnungen. Rektor Scherber bezeichnete das spätere Umsingen als „würdelose Bettlei“ – ein Hinweis darauf, dass das Gregoriusfest hier entweder vergessenwar oder nie gefeiert wurde.

Um 1800 förderte der Staat das Anlegen von Obstplantagen und Schulgärten.

Besonders Selb wurde dafür gelobt. Dort begann man, zur Apfelbaumblüte feierlich hinauszuziehen – mit Kindern, Liedern, Chorälen, Predigten.
Aus dem kirchlichen Schulfest wurde ein Heimatfest, und aus dem Heimatfest entstand nach und nach das, was wir heute kennen: das Wiesenfest.

Der erste sichere Hinweis auf das Wiesenfest in Kirchenlamitz stammt aus dem Jahr 1839. Stadtmusikus Carl Schmidt schrieb: „Am 27. Juni wurde das Wiesenfest dahier abgehalten, wo ich das erste Mal mit musicirte.“ Später berichtet er von „Wiesenfest und nachts Tanz“ (1860). Ab 1865 dauerte das Fest zwei Tage, ab 1869 kam das Scheibenschießen hinzu. Das Fest wuchs – und mit ihm die Begeisterung.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts stellte der Wunsiedler Landrichter fest, dass jede Stadt und jeder Marktflecken ein Wiesenfest feierte.
Doch der Volksfestcharakter nahm überhand: „Essen, Trinken und Kleideraufwand ließen es zu einem Luxusfest werden“, sodass man vergeblich versuchte, „kindliche Sitten und Einfachheit“ wieder zur Geltung zu bringen. 1858 wurde sogar verfügt, dass die Tänze der Kinder zugunsten von Spielen eingeschränkt werden sollten.

Mit der Zeit trat die Kirche zurück, die Gemeinden übernahmen die Schulaufsicht, und an die Stelle des Gottesdienstes trat die Ansprache des Bürgermeisters. Das Wiesenfest wurde weltlicher, moderner – aber blieb ein Fest der Gemeinschaft.

Heute kann Kirchenlamitz auf 179 Jahre Wiesenfesttradition zurückblicken. Nicht immer ununterbrochen, aber immer mit dem gleichen Kern: Musik, Freude, Zusammenhalt und ein Fest, das sich mit der Zeit wandelt, ohne seine Seele zu verlieren.



Textquelle und Bild: Krebsbacker Nr. 28, Werner Bergmann